Herzlichen Dank für die Staffelübergabe, lieber Dominik Mages!
Es geht sich bei der Leberwurst nicht um das „Ob“, sondern um das „Wie“. Dazu später mehr.
Zu Beginn des Fasten-Blogs hatte ich Schwierigkeiten, meinem Vorsatz, mich (möglichst) fleischlos zu ernähren, gerecht zu werden. Am 3. März war ich zum Schlachtschüssel-Essen mit einigen Laufkolleginnen/Laufkollegen verabredet. Mir waren zwar die Ingredienzien der besagten Schüssel bekannt, ich konnte aber nicht so viel damit anfangen und dachte, zur Not esse ich halt die Beilagen (Sauerkraut/Kartoffeln/Brot). Die Innereien und das Kopffleisch bereiteten mir „leichtes Unbehagen“ (ich könnte auch sagen, der Würgereflex wurde animiert). An den Bratwürsten habe ich ein wenig herumgeknabbert, ansonsten habe ich mich auf die Beilagen konzentriert. Es war trotz allem ein geselliger Abend, und für mich stand fest:
- Keine Schlachtschüssel mehr
- Rückbesinnung auf flexigane Ernährung
Wie bei den Flexitariern, die sich vegetarisch ernähren und nur ab und zu Fleisch konsumieren, ist mein Bestreben für die Fastenzeit und darüber hinaus, auf tierische Produkte zu verzichten und nur punktuell (Schafs- oder Ziegenkäse, Kuhmilch-Jogurt) zu kaufen. Das heißt, ich ernähre mich – bis auf wenige Ausnahmen – weitestgehend vegan, oder für die mathematisch Versierten: flexibel + vegan = flexigan.
Wieso Rückbesinnung? Mit dem Wechsel vom Niederrhein zur Stadt Ansbach im Jahr 2013 stellte ich meine Ernährungsgewohnheiten um, und zwar von fleischhaltiger Kost auf vegane. Das war mehr als ein Quantensprung, zu Mal die Franken, so scheint mir, Fleisch lieben, und die Restaurants und Gaststätten auf diese Kost weitestgehend eingestellt sind. Es gibt in Ansbach nur ein Restaurant, das sowohl traditionelle als auch vegetarische und sogar vegane Gerichte anbietet. Die anderen Restaurants offerieren vegetarische Gerichte (wenn überhaupt) nur ergänzend. Und das ist dem bekanntesten Bürger von Ansbach gewidmet: „Kaspar Hauser“. Sein Tod im Hofgarten korreliert vermutlich nicht mit der Namensgebung des besagten Restaurants und dem Ruf der veganen Küche;-). Jedenfalls hatten wir uns mit den Kollegen vom Tiefbauamt zum Vesper eingefunden. Ich wollte den anderen etwas Gutes tun, und habe vegane Leberwurst zubereitet. Das Echo war überwältigend. Nachdem die Ersten die Augen verdrehten oder zum Schweppes-Gesicht ansetzten, kam zu guter Letzt noch der Hinweis:
„Ey, du bist hier in Franken, da wird richtige Wurst gegessen“.
Für mich stellte sich die Frage: Was ist denn, bitte schön, richtige und falsche Wurst? Antwort: Es gibt kein „richtig oder falsch“, es gibt m. E. nur die Leberwurst (konventionell oder vegan). Das Thema Ernährung kann polarisieren. Das hängt aber auch damit zusammen, dass die Diskussionen hier z. T. dogmatisch geführt werden.
Jedenfalls habe ich mir nach meinem Leberwurst-Desaster nicht den Mut nehmen lassen, weiter vegan zu leben. Erst einige Monate später schlich sich bei mir die fleischreduzierte Mischkost wieder ein. Das Rezept für die vegane Leberwurst möchte ich euch aber nicht vorenthalten: (http://apfelvegetarier.blogspot.de/search/label/Leberwurst). Ich finde, es lohnt sich, sie mal auszuprobieren. Zwiebeln, Räucher-Tofu, Kidney-Bohnen, ein paar Gewürze und das alles mit dem „Zauberstab“ zerkleinert. Fertig. Mich hat die Wurst echt begeistert!
Die CO2-Fasten-Staffel hat bei nicht nur zu einer Renaissance des Veganismus (besser: Flexiganismus) geführt. Für mich haben sich auch konsumtechnisch einige Neuerungen ergeben. Seit Anfang März habe ich eine Öko-Kiste bei einem hiesigen Biobauern abonniert. In Form einer Regional-Kiste bekommen ich einmal die Woche Waren angeliefert, die saisonal und regional sind. Die Saisonalität von Produkten habe ich lange Zeit vernachlässigt.
Tomaten im Winter!? Das muss nicht sein. Da gab’s jetzt mal Postelein-oder Feldsalat, oder als Gemüse Bärlauch, Chicorée, Sellerie, Weißkohl oder Hokkaido. Regional heißt, die Produkte kommen vom Öko-Box-Bauern selbst oder von Landwirten im Umkreis von 200 km. Alles natürlich in Bio-Qualität. Probleme gibt es beim Obst: Da ist im Winter nur der Apfel angesagt und das auch nur als Lagerware. Bei meinem Faible für Südfrüchte (Bananen, Ananas, Zitrusfrüchte) sieht es mit der CO2-Bilanz hier natürlich mau aus. Zumindest werden die Produkte nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Schiff transportiert. Das ist aber nur ein geringer Trost, womit ich (wieder) bei meinem Luxusproblem wäre.
Das Herauskramen alter Kochbücher und Links sowie die digitalen Rezept-Ideen meines Öko-Box-Lieferanten und das damit verbundene Umsetzen von Theorie (Rezept) in Praxis (Essen), macht richtig Spaß. Will heißen, ich koche und backe wieder gerne und vor allem mit Leidenschaft. Auch wenn das mit einem entsprechenden Zeitfaktor verbunden ist, so ist es mir das aber wert. Wegen der abwechslungsreichen, frischen und biologischen Kost fühle ich mich körperlich auch deutlich besser. Und: ich bin dabei, eine vegane Kochgruppe zu gründen (so was geht auch in Mittel-Franken!).
Mit kulinarischen Grüßen gebe ich den Staffelstab weiter an Dominik Bigge vom Landratsamt Forchheim. Ich bin gespannt, was du zum Thema „Wohnen/Haushalt“ präsentierst.
Meine persönlichen Tipps
Links für vegane Rezepte
- http://apfelvegetarier.blogspot.de/
- http://www.veganguerilla.de/rezepte/
- http://www.laubfresser.de/
- http://www.rezeptefuchs.de/
Unter den vielen veganen Kochbüchern hier meine Empfehlung
- La Veganista – Lust auf vegane Küche

