Die Fastenstaffel geht dem Ende entgegen. Bin ich jetzt erleichtert oder traurig? Erleichtert, weil das Plastikfasten mich den ein oder anderen Nerv gekostet hat. Aber ich werde schon auch etwas vermissen. Jeden Tag einen neuen Beitrag, etwas worauf ich mich freuen kann.
Wie ist es mir so ergangen mit dem Plastikfasten ….
Hier eine für mich typische Situation. Nach Feierabend springe ich noch schnell in einen Supermarkt (oder Bioladen) auf dem Weg um das ein oder andere zu besorgen.
Erst der Bäcker im Eingangsbereich, kein Problem. Dann die Obst- und Gemüseabteilung, ich decke mich ein. Kurzes Bedauern, es gibt noch Pomelos (aus Israel) die ich wirklich sehr gern esse, die aber alle … und zwar in jedem Supermarkt … in einer Folie oder in einem Plastiknetz eingepackt sind. Also die nicht.
Dann geht es weiter und … ich stehe in Reihen und weiteren Reihen von Produkten in Plastikverpackung. Ich habe eine Schwäche für Maiswaffeln und (ja ich gestehe) Chips. Alles ausnahmslos so verpackt, dass ich es liegen lassen muss. Sicherlich nicht das schlechteste für meine Ernährung. Aber es ist halt so lecker! (Erschrocken registriere ich die trotzigen Gefühle eines Kindes in mir, dass mit dem Fuß stampft weil es etwas nicht bekommt. Askese ist nicht meine größte Stärke.) Ich stehe im Schlaraffenland und die meisten Versuchungen sind mir verwehrt. Selbst wenn etwas auf den ersten Blick gut aussieht, heißt das noch lange nichts. Kekse liegen da in Karton verpackt. Aber ich weiß genau, darunter schlummern Kunststoffschalen oder Extrafolien. Milch und Joghurt sind kein Problem. Käse gibt’s über die Ladentheke oder im Fachgeschäft in meine Tupperdosen.
Für alle die jetzt die Stirn runzeln, ich hatte mir gestattet, alles was ich besitze, noch weiter verwenden zu dürfen, auch wenn es aus Kunststoffen ist. Sonst würde ich auch ganz schön dumm aus der Wäsche schauen. Nicht nur bei den Transportboxen. Nein, ich müsste fast nackt aus dem Haus, da ich elastische Kleidung wegen ihrer Bequemlichkeit sehr mag. Und in diesen Stoffen stecken über und über Elastan, Polyester etc. Eigentlich kann ich sogar froh sein, wenn sie nicht nur aus Kunststoffen bestehen sondern auch noch ein Hauch Naturprodukt drin ist. Ich würde sehr wenig sehen (Kunststoffbrille), der Weg zur Arbeit würde um einiges länger dauern (Fahrradteile aus Kunststoffen), ich könnte nicht mal arbeiten (Schreibtisch, Tastatur, Rechner … sagen wir es mal so, auch nicht gerade aus Holz geschnitzt). Mir schwirrt der Kopf. Aber darum geht es gar nicht so sehr. Ich will vor allem das Plastik vermeiden, das beim Einkaufen als Nebenprodukt oft so gedankenlos oder ohne gesteigerten Extranutzen mit dabei ist. Dass ein Leben ohne Kunststoffe, mit ihren herausragenden Materialeigenschaften, heute nicht mehr vorstellbar ist, ist mir durchaus bewusst.
Zurück zum Einkauf.
Auch Konsumgüter des täglichen Bedarfs, die mit Kunststoffen verpackt sind, nutze ich noch bis sie aufgebraucht sind. Hier kommt in Woche 2 das erste Problem auf mich zu. Der Klopapiervorrat neigt sich dem Ende zu. In meinem Gedanken erinnere ich mich an Zweierrollen, die in Papier verpackt sind. Pustekuchen. Selbst die Produkte, die mit dem Blauen Engel zertifiziert sind, sind in Plastik verpackt. Ich finde im Internet eine Möglichkeit zum Bestellen. Aber soll der Paketdienst mir das jetzt extra liefern? Ich entscheide mich zum Fastenbrechen und der Großverpackung mit dem besten Klorollen-Verpackungsverhältnis.
Eines wird schnell klar. Planung muss sein. Läden suchen, ein bisschen Zeit einplanen, Behältnis mitbringen, frisch kaufen.
Der Antipasti-Stand auf dem Schlossplatz füllt mir Frischkäse in Weckgläser, Gemüse und Obst gibt‘s in Hülle und Fülle bei dem Marktständen. Dabei lerne ich schnell: immer gut drauf achten dass die Verkäufer*innen meine Transportgefäße (z.B. bei Pasten und Frischkäse) einwiegen, sonst wird’s teuer. Die meisten denken dran, aber nicht alle.
Die Grundnahrung ist gedeckt. Auch Nudeln und Reis gibt’s im Karton. Der Vorteil: ich merke dass meine Gerichte frischer werden. Logisch. Je mehr ein Produkt industriell verarbeitet ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass eine Verpackung notwendig ist.
Und was ist mit meinen Schwächen? Kekse habe ich keine gefunden. Also gibt’s nur eins: es werden Cookies gebacken. Zutaten lassen sich erwerben, es geht erstaunlich schnell, schmeckt gut und das macht auch ein bisschen stolz.
Der Wert der Ware
Etwas anderes fällt mir auf. Ich hab mir ja ein kleines Hintertürchen offengelassen. Was ich besitze kann ich noch nutzen. Duschgel ist leer, ich finde noch eine Tube die ich geschenkt bekommen habe aber nie verwendet habe. Waschmittel ist auch noch da – zum Glück! Popkornmais (mein Maiswaffelersatz) schlummert vergessen hinten in der Schublade … ein Genuss. Ein erschreckendes Gefühl, wie viele Dinge, auch Lebensmittel, ich so horte ohne sie zu verbrauchen. Die Schränke werden etwas leerer im Zuge der Fastenstaffel. Super Nebeneffekt! Ich merke ebenfalls, dass ich die vorhandenen Produkte plötzlich viel mehr schätze. Mit der Creme gehe ich nicht so verschwenderisch um, nachkaufen geht ja nicht mehr. Das ist vielleicht meine wichtigste Erfahrung, dass ich plötzlich Verbrauchsgüter so viel mehr wertschätze!
Hier noch ein paar Bilder aus meiner Zeit:
Mein Resümee: nicht das Plastik ist häufig das Problem, in vielen Bereichen hat es hervorragende Eigenschaften und die Nutzung ergibt einfach Sinn. Die Frage ist, wann wir es einsetzen und welche Alternativen es gibt. Es sind die menschlichen Nutzungsgewohnheiten, die unserem Ökosystem so zusetzen. Es ist das Nehmen – Nutzen – Wegwerfen in der extrem hohen Taktzahl, das die Probleme macht. Eine Nutzung pro Plastiktüte, der Plastikdeckel auf dem Coffee-To-Go Becher, der nur für 6 Minuten in Benutzung ist, Einweg-Plastik-Besteck. Folgen einer Wirtschaft, die immer mehr produziert und bei der geplante Obsoleszenz zur Gewinnsteigerung beiträgt.
Ich werde einiges beibehalten (plastikfreier Gemüsekauf, Frischkäse im Glas) aber zu allem fehlt mir die Konsequenz. Möglichkeiten gibt es, aber die Umsetzung scheitert (bei mir) oft vor allem an Bequemlichkeit und Eitelkeit. Eine harte Erkenntnis. Ich habe recht lange Haare, und mit der Haarseife bin ich nicht so ganz warm geworden. Um es in Anlehnung an den Kabarettisten Nico Semsrott zu sagen: es gibt den ökologischen Weg und den kapitalistischen Weg. Ich bin wohl eine ökologische Kapitalistin. Ich genieße den Konsum, fühle mich aber schlecht dabei. Nun ja, so heftig ist es nicht. Sagen wir mal so, ich bin mir des Luxus’ meines Konsumverhaltens bewusst, hinterfrage es und schließe einen Kompromiss.
Die Tipps, die ich im Laufe der Fastenstaffel gesammelt habe, werden mir in jedem Fall helfen. Danke euch allen 🙂
Mein Tipp
Übrigens habe ich in der Fastenzeit ein Beispiel kennengelernt, bei dem die Idee des Plastikarmen noch weiter getrieben wurde. Das Creativhotel Luise in Erlangen hat seit neuestem 5 „nachwachsende Hotelzimmer“. Heu und Stroh an der Wand, Kokosfaser in der Matratze, Teppich aus recycelten Fischernetzen: http://www.hotel-luise.de/
Und das Beste: es sieht richtig gut aus. Und es riecht ein bisschen nach frischem Heu.
Und nun. Sind wir am Ende? Ich hoffe nicht! Ich nominiere uns für das kommende Jahr! Nehmen wir an? Das werden wir wohl am nächsten Treffen des Initiativkreises der Klimaschutzmanager herausfinden.
Ganz will ich nicht auf euch verzichten. Einige von euch wurden ja vor allem am Anfang nominiert. Wenn ihr Lust habt schreibt doch in den nächsten Tagen oder auch Wochen mal, wie eure Erfahrungen waren und ob bzw. was ihr etwas über die Fastenzeit hinaus mitnehmt!
Aber zuallererst: Frohe Ostern!
Fotos: Creativhotel Luise (Fotos 1, 8, 9), Lena Jakob (Fotos 2, 3, 4, 5, 6, 7)

