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Tag 7: Regionale Küche

jana-edlinger-miniMein Name ist Jana Edlinger und ich bin mit dem Thema Klimaschutzmanagement bei der Stadtverwaltung Schwabach beauftragt. CO2-Emissionen zu reduzieren ist für mich beruflich aber auch privat ein Dauerthema, manchmal zum Leiden meiner Mitmenschen. Ich nenne es dann „Berufskrankheit“, wenn ich mal wieder zähneknirschend vor meinen Mitbewohnern zugeben muss, dass der Warmwasserboiler nicht kaputt ist, sondern ich nur den Stecker gezogen und vergessen habe, ihn wieder einzustecken.

Um mein Umfeld nicht zu sehr in Mitleidenschaft zu ziehen, habe ich mich also nicht für Warmwasserfasten entschieden, sondern mir das Thema “regionale Ernährung” für diese Fastenstaffel ausgesucht. Regionalität steht für weniger Treibhausgasemissionen durch Transport und die Stärkung der lokalen Landwirtschaft. Ich faste sozusagen „globalen Handel“ und versuche 40 Tage lang ausschließlich aus Zutaten zu kochen, die hier in der Region produziert werden.

Als Auftakt für mein Fastenvorhaben habe ich  gleich mal zum “Regionalen Abendessen” eingeladen. Meinen Freunden bleibt das gelegentliche Mitfasten also doch nicht erspart. Was ich kochen werde, wusste ich bei der Einladung noch nicht und meine Gäste haben sicherlich vorsichtshalber schon mal die Nummer vom Pizzaservice rausgesucht.

Der Wochenmarkt scheint mir die richtige Inspirationsquelle für mein Vorhaben zu sein. Vorbildlich den Jutebeutel eingesteckt und los geht’s. Aus Neugier schaue ich vorher beim Discounter vorbei. Auch hier gibt es eine kleine Auswahl an Gemüse aus Franken. Jedoch erschließt sich mir nicht, warum eine Karotte aus dem Knoblauchsland in Plastik verpackt nach Nürnberg reisen muss, während es einem „nackten“ Zucchino gelingt, unbeschadet aus Andalusien bis hier her zu kommen. Dafür finde ich im Supermarkt fränkischen Weißwein und  Mehl aus Süddeutschland (ich zähle das heute mal zur Region).

Auf dem Wochenmarkt lasse ich mich erst mal beraten und ernte sogar hier besorgte Blicke. „März ist so ziemlich die schlechteste Zeit! Wir haben nur sehr wenig heimisches Gemüse“, bedauert der nette Verkäufer und rückt verlegen seinen Hut zurecht. Aber Fasten soll ja auch nicht einfach sein. Am Ende habe ich trotzdem einen vollen Beutel mit Sellerie, Feldsalat, Karotten, Kartoffeln und Weißkraut. Am Käsestand kaufe ich noch Ziegenfrischkäse aus der Fränkischen Schweiz und gönne mir zum Abschluss meines Marktbummels eine Tasse Kaffee in der Sonne. Moment! Kaffee ist ja mal so gar nicht regional. Aber ich rede mich heraus, dass ich ihn mir nicht selbst gekocht habe und bin dankbar über dieses Schlupfloch in meinem Fastenvorhaben „Kochen mit regionalen Zutaten“. Nach dieser Theorie könnte ich natürlich 40 Tage lang essen gehen ohne mein Fasten zu brechen, aber so leicht werde ich mich nicht rausmogeln.

Zuhause kommt als erstes der Weißwein in die fränkische Kälte auf den Balkon und ich mache mich ans Kochen. Der Blick ins Gewürzregal lässt mich an meinem Vorhaben zweifeln, mir leuchtet Curry, Kurkuma und Kardamom entgegen. Ich atme erst auf, als ich das gelbe Bad Reichenhaller Salzfässchen erblicke. Petersilie wächst auf der Küchenfensterbank und Pfeffer, hm, wo war das nochmal wo der Pfeffer wächst? Nach der Redensart zu schließen, ziemlich weit weg.

Selleriesuppe mit Ziegenfrischkäse schmeckt auf jeden Fall schon mal gut. Zum Fastenmotto passend, soll es als Hauptspeise Maultaschen geben. Der Legende nach wurden diese feinen gefüllten Teigtaschen im Kloster Maulbronn zur Fastenzeit erfunden, um das Fleisch vor Gott zu verstecken. Ganz schön ausgefuchst diese schwäbischen Mönche…

Ich fülle die Taschen jedoch fränkisch und fleischlos mit Gemüse, angelehnt an ein Rezept von Lisa Pfleger. Ihr Kochbuch „Vegan-Regional-Saisonal“ könnte in den nächsten Wochen zu meinem besten Freund werden. Übrigens: wem „fränkisch und fleischlos“ als Oxymoron erscheint, dem sei das Kochbuch „Franken vegetarisch – Das Knoblauchsland-Kochbuch“ von Marianne Voelk ans Herz gelegt. Regionale Ernährung schließt Fleisch- und Fischkonsum natürlich nicht aus. Aus persönlichen Vorlieben verzichte ich jedoch darauf.

Die Maultaschen werden schließlich mit Feldsalat und Salbeibutter angerichtet (Salbei wächst bei uns im Garten). Ich finde, meine Hauptspeise kann sich sehen lassen und meinen Gästen schmeckt es auch.

Alles in allem: ein gelungener Abend! Jetzt wird es spannend, wie sich die regionale Ernährung auch im Alltag umsetzen lässt…

Meine Empfehlungen für mehr Regionalität in der Küche:

Lisa Pfleger: Vegan, regional, saisonal: Einfache Rezepte für jeden Tag.

Marianne J. Voelk: Franken vegetarisch – Das Knoblauchsland-Kochbuch.

(Da wir gerade schon bei der Regionalität sind – loggen wir uns doch heute mal aus dem Onlinebücherversand aus, unternehmen einen kleinen Spaziergang und statten dem Buchhändler unseres Vertrauens mal wieder einen Besuch ab. Sie werden sehen, es lohnt sich.)

Einkaufshilfe für’s Smartphone:

http://www.regioapp.org/

Solidarische Landwirtschaft in der Region:

www.stadt-land-beides.de

Übergabe des Staffelstabes:

Für morgen, 8.3.2017, nominiere ich Lisa Güntner, LK Coburg.

Liebe Lisa, ich bin gespannt auf Deinen Bericht!

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