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Das Prinzip Sonntagsbraten

„Könnten Sie uns vegane oder zumindest vegetarische Rezepte für unsere Fastenaktion liefern?“ Meine erste Reaktion auf diese Frage des Klimaschutzmanagers Bernd Rothammel war: Hm. Schon wieder das leidige Veggie-Thema? Doch dann habe ich überlegt: Du bist ja selbst sparsam beim Fleischkonsum. Wir sprechen nicht grundlos vom Sonntagsbraten. Soll heißen: Wir brauchen nicht täglich Fleisch oder Wurst auf dem Teller. Denn die fränkische Küche wird zu Unrecht reduziert auf Bratwurst und Schäufele. Bagges und Schnitzla-Supp’n, Klöße in Dutzenden Variationen, Eierschmalz und Erdäpfelkäs‘ – die Datenbank der Genussregion Oberfranken zeigt über 300 köstliche Spezialitäten, darunter viele fleischlose.  Mein CO2-Fußabdruck von 6,75 Tonnen (laut CO2-Rechner des Umweltbundesamtes) kommt bestimmt  nicht von ungefähr.

Als Leiter der Regionalgruppe Oberfranken von Slow Food versuche ich stets, Menschen von der Verwendung regionaler Produkte zu überzeugen. Denn: Erdbeeren an Weihnachten und Spargel im September – brauche ich nicht und schmeckt nicht. Denn Obst und Gemüse aus der Region, das auf dem Höhepunkt seiner Reife geerntet wird, ist aromatisch am besten entwickelt. Außerdem ist es kostengünstig, wenn alle Bauern gleichzeitig Spargel, Zwetschgen oder  Erdbeeren auf den Markt bringen. A propos Markt: Etwa ein Drittel der verkauften Lebensmittel landet im Müll. Wer auf dem Wochenmarkt einkauft, bekommt auch mal nur zwei Karotten oder einen halben Krautkopf.

Zu meinem Verständnis von guter, sauberer und fairer Ernährung gehört aber auch Fleisch. Wild steht bei uns häufig auf dem Tisch, vom Jäger „aus der Nachbarschaft“ erlegt. Und Fleisch kommt bevorzugt von Tieren, die auf der Weide gehalten werden. Es gibt in unserer Region zahlreiche  Bauern, die in diesem Bereich wirklich tolle Arbeit leisten.

Das Durchstöbern meiner Kochbücher nach Themen für die CO2-Fastenaktion hat echt Spaß gemacht. Und es hat mir wieder mal gezeigt: Es schmeckt tatsächlich auch ohne Fleisch. Die Gemüsevielfalt ist einfach grandios. In den letzten Wintertagen  greifen wir zu Kohl und Rüben aus dem Vorratskeller und freuen uns auf den beginnenden Frühling.  Zu Beginn der kleinen Artikelserie gibt’s ein Rezept mit einem meiner Lieblingsgemüse: Wirsing.

Curry-Wirsing (für vier Portionen)

Das braucht man: 2 Zwiebeln, 1 Wirsing, Öl zum Braten, 500 ml Gemüsebrühe, 2 EL Currypulver, 200 ml Sahne, Petersilie, Salz, 1 Handvoll Erdnüsse oder Cashewkerne

So wird’s gemacht: Zwiebeln schälen und würfeln, Wirsing putzen, waschen und in Streifen schneiden. In einem großen Topf etwas Öl erhitzen und Zwiebeln darin glasig dünsten. Kohl hinzufügen, anbraten und mit Gemüsebrühe ablöschen. Currypulver hinzugeben und alles ca. 15 Minuten lang garen. Sahne dazugießen, Petersilie hacken und unterheben, abschmecken. Mit Reis oder Kartoffeln servieren, dazu die Nusskerne reichen.

Für eine vegane Version statt Sahne einen entsprechenden Ersatz verwenden. Statt der exotischen Nüsse passen auch Walnüsse sehr gut. Guten Appetit!

Das Bild wurde von Elisabeth von Pölnitz-Eisfeld fotografiert.

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