Eine Tonne CO2 . Das gilt als Klimaverträgliches Jahresbudget. Am Tag eins der Fastenstaffel will ich erstmal rausfinden, wieviel CO2 ich verursache und dann viele gute Vorsätze fassen. Mein Name ist Bernd Rothammel, ich wohne in Bayreuth und ich leite das Klimaschutzmanagement des Landkreises Bayreuth. Beruflich ist Klimaschutz also meine Hauptbeschäftigung und auch privat versuche ich schon Einiges in Sachen Klimaschutz. Ich frage mich am Beginn dieses Fastenprojektes, wie eigentlich meine persönliche CO2-Bilanz aussieht? Auf der Seite des Umweltbundesamtes kann man dies online ermitteln (siehe oben: Navigationspunkt „Meine CO2 Bilanz“). Mein Ergebnis: 6,9 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr . Das ist im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt von 11,6 Tonnen ganz ordentlich. Aber doch noch weit vom Ziel entfernt.
Das Ziel ist nämlich – so das Umweltbundesamt, nur noch eine Tonne pro Jahr und Person zu verursachen. Denn nur wenn wir unseren CO2-Ausstoß derart drastisch reduzieren, werden die Folgen des Klimawandels beherrschbar sein.
Klimaverträglich ist mein Leben also aktuell noch nicht. Kann es das werden? Als Experte kenne ich die Antwort. Ein Pro-Kopf-CO2 Ausstoß von „nur“ einer Tonne ist gegenwärtig in Deutschland noch nicht zu erreichen. Warum? Weil unser persönliches Budget bereits mit 0,7 Tonnen für sogenannte „Öffentliche Emissionen“ belastet ist, die beispielsweise durch den Energieaufwand für Trinkwasserversorgung und Abwasserreinigung anfallen. Da bleibt also kaum noch Spielraum – um genau zu sein nur 300 kg.
Kein Alibi
Ich glaube aber, dass dies kein Grund ist, den Kopf in den Sand zu stecken und es darf auch kein Alibi sein für eine Ist-eh-schon-alles-egal-Haltung . Denn bestimmt sind bei mir deutliche Einsparungen möglich und eines Tages – hoffentlich bald – werden auch die öffentlichen Emissionen durch verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien und Einsparmaßnahmen zurückgehen.
Ich will also in der Fastenzeit versuchen, das aktuell Mögliche auszuprobieren und bin gespannt darauf, was das im Alltag bedeutet, für mich und für meine Frau und die Kinder. Ich bin neugierig auf meine Antworten und auf die Erfahrungen meiner Mitstreiter*innen, vor allem aber darauf, was ich über die Fastenzeit hinaus fortführen kann.
Ich habe die folgenden fünf Vorsätze für ein klimaverträglicheres Leben gefasst:
Vorsatz 1: So weit es geht auf das Auto verzichten
Beim Kauf unseres Autos war der CO2-Ausstoß ein entscheidendes Kriterium . Die Wahl fiel auf eines der emissionsärmsten Fahrzeuge auf den Markt, mit aerodynamisch optimierter Karosserie, Leichtlaufreifen und einem besonders abgestimmten Getriebe, das im Schnitt nur 3,2 Liter verbraucht: ein VW-Golf-Diesel Bluemotion. Schnell stellte sich jedoch Ernüchterung ein, denn in der Praxis beträgt der Verbrauch trotz sparsamer Fahrweise im Langzeitschnitt gut 5 Liter / 100 km, was einem CO2 Ausstoß von 132g/km, statt der auf dem Papier versprochenen 85 Gramm entspricht. Das ist extrem ärgerlich. Mein 300 kg-CO2-Restbudget wäre damit mit einer Urlaubsfahrt nach Rom und zurück erschöpft. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass das Modell angeblich nicht vom Abgasskandal betroffen ist und andere Fahrzeuge noch viel mehr verbrauchen. Aber nach Rom fährt man ja eh besser und bequemer mit dem Zug.
Vorsatz 2: Computerzeit reduzieren
Vorsatz 3: Raumtemperatur absenken
In unserem Keller läuft – ich gestehe – noch eine Ölheizung. Wir denken schon länger über den Umstieg auf Holzpellets nach, das muss aber aus finanziellen Gründen noch ein wenig warten. Nach einer energetischen Sanierung vor zehn Jahren, bei der wir Dach und Fassade gedämmt, alle Fenster und Türen durch dreifachverglaste ersetzt und eine Solarthermieanlage aufs Dach gesetzt haben, brauchen wir zwar „nur noch“ 750 Liter Öl im Jahr. Das ist im nachbarschaftlichen Vergleich sehr wenig. Aber was heißt das im Bezug auf mein CO2-Budget von einer Tonne? Der CO2-Rechner des Umweltbundesamtes gibt die Antwort: Pro Person in unserem Haushalt entfallen aufgrund der Heizung 0,8 Tonnen CO2 im Jahr. Könnten wir hier noch sparen? Experten geben den Tipp, dass jedes Grad C°, um das die Raumtemperatur abgesenkt wird, 6% Energie spart. OK, das werden wir ausprobieren: Künftig also nur noch 20°C im Wohnzimmer, das spart dann knapp 50 Liter Heizöl und 14 kg CO2. Kleinvieh macht auch Mist.
Vorsatz 4: Keine neuen Produkte kaufen.
Und jetzt zum größten Brocken in meiner CO2 Bilanz: Dem Konsum. Das war dann doch eine Überraschung, da ich mich als relativ sparsam im Konsumverhalten einschätze. Trotzdem wiegt der ökologische CO2-Rucksack der von mir gekauften Güter, ob Kleidung, Elektronika, Bücher, Möbel usw. 3,2 Tonnen CO2 im Jahr. Das ist mehr als alle bisher genannte Sektoren zusammen! Hier müsste man doch was tun können! Kann man auch. Der UBA Rechner zeigt auf, an welchen Stellschrauben man drehen kann. Erstens auf Langlebigkeit achten, zweitens gebrauchte Produkte kaufen und drittens schlichtweg weniger konsumieren. Wenn ich all das berücksichtige und meine Konsumausgaben reduziere, könnte ich viel CO2 einsparen. Ich fasse also für die Fastenzeit den Vorsatz, keine neuen Konsumgegenstände einzukaufen.
Vorsatz 5: “Klimafreundliche Ernährung? Dann zieh’ ich aus!”
Beim Pubertisten im Haushalt, der sein Schnitzel in Gefahr sah, kam dieser Vorsatz aber gar nicht gut an: “Dann zieh ich aus!”, rief er empört. Ein Klimasünder weniger im Haus. Auch recht. Es wird einsam um mich werden. Egal – ich schnapp mir meinen Einkaufskorb und laufe los – im Bioladen warten Hafermilch und saisonales Gemüse auf mich.
Übergabe des Staffelstabes:
Für morgen, 2.3.2017 nominiere ich:
Lena Jakob, Klimaschutzmanagerin der Stadt Erlangen.
Liebe Lena, bin gespannt, welche Vorsätze du gefasst hast.
Meine persönlichen Tipps für weiterführende Infos:
http://www.globalrichlist.com/
Fotos:
Bernd Rothammel, http://www.pixabay.de, screenshots von http://www.ecotopten.de und http://www.globalrichlist.com

