Liebe Tina, vielen Dank für die Nominierung.
Epilog
Sonntag, 12. März 2017 oder Montag, 13. März 2017… vielleicht auch später.
Liebe Leserin oder Leser, während du gerade vor dem Bildschirm sitzt (wahlweise hast du auch dein Smartphone in der Hand) um den heutigen Blogbeitrag zu lesen, befinde ich mich gerade im Flugzeug.
Prolog
Dienstag, 28. Februar 2017.
Herrlich. Das Projekt steht. Ab morgen starten wir Klimaschutzmanager /-innen der Metropolregion das CO2-Fasten. In den letzten Tagen habe ich viel mit Kolleginnen und Kollegen telefoniert um auszuloten wer noch alles mitmachen möchte bei dieser schönen Aktion. Die Pressemitteilung haben wir intern abgestimmt, und gestern an die Medien gesendet. Die Resonanz ist gut, sowohl online als auch in den Zeitungen. Und gerade vorhin hat sich ein lokaler Radiosender für ein Interview gemeldet. Es soll heute aufgezeichnet, und bis morgen – zum Start der Aktion – geschnitten und veröffentlicht werden. Ich fühle mich hierfür bestens vorbereitet, denn ich war dabei, als die Idee entstand, habe mitorganisiert, weiß wer alles dabei ist und was hinter der Aktion steckt. Somit fühle ich mich für das Interview bestens vorbereitet. Es beginnt…Begrüßung…Vorstellung…erste Frage: „Herr Altinok, was haben Sie persönlich sich für die Fastenzeit vorgenommen? Worauf werden Sie verzichten?“.
…
…
…
Hmm ja, gute Frage…irgendwie hatte ich bisher nur das Große und Ganze im Blick. Das ist schön und gut, aber wie schaut eigentlich mein persönlicher Beitrag aus…?
Meine Vorsätze
Also gut, dieses Interview habe ich zum Anlass genommen um mein Verhalten zu hinterfragen. Da bei mir demnächst ein Umzug ansteht, überspringe ich die Punkte Heizverhalten und Stromverbrauch. Dafür konzentriere ich mich umso mehr auf Ernährung/Konsumverhalten und Mobilität.
Ich habe festgestellt, dass ich bei der Ernährung und mit meinem Konsumverhalten grün punkten kann. Ich ernähre mich vegetarisch. Schon seit ich etwa 5 Jahre alt bin. Das hatte natürlich zunächst nichts mit Klimaschutz zu tun (keine Details hierzu, long story). Aber mittlerweile beachte ich diesen Aspekt auch und kaufe regional und Bio-Lebensmittel. Direkt in meiner Umgebung gibt es mehrere Supermärkte, so dass ich locker mit dem Fahrrad oder zu Fuß zum Einkaufen gehen kann. Ich bin nicht der Typ für Großeinkäufe und Kisten muss ich auch nicht schleppen, da ich grundsätzlich Wasser aus der Leitung bzw. zu jeder Tageszeit Tee trinke. Mein sonstiges Konsumverhalten löst keine Freudentänze bei den Berechnern des BIP aus, weder bei der Bekleidung, noch bei Elektrogeräten Das hört sich ganz gut an, aber es ist Potenzial vorhanden.
Daraus ergibt sich Vorsatz 1: Vegan ernähren! Also keine Milch, Eier und Käse bis Mitte April. Nun, ich bin sowieso nicht der große Milchtrinker, auf Eier kann ich auch verzichten (bei Eiern fallen mir sowieso nur Lebensmittelskandale ein), alles easy, aber Käse? Kann ich hier nicht eine Ausnahme machen?
Schon meldet sich mein Gewissen:
– Ist das ein Aprilscherz?
– Nö, wir haben doch März.
– Wie willst du dich vegan ernähren, wenn du auf Käse nicht verzichtest?
– Ich kann ja ab und an davon abweichen.
– Wie soll das aussehen?
– Ich esse zum Beispiel nur 6 mal die Woche Käse zum Frühstück…im Brot versteckt, dann merkt es auch keiner…und Sonntags bleibe ich länger im Bett.
– Na toll, das ist dann aber nicht vegan.
– Dann bin ich halt Flexiveganer.
– So etwas gibt es nicht.
– Super, ich melde gleich morgen Patent an.
– Wenn schon vegan, dann richtig!
– Aber ich verzichte doch schon auf Milch und Eier.
– Woraus wird denn Käse hergestellt du Schlaumeier?
– …
– …
– Jaa, ok ok…
Also gut, überzeugt, dann eben komplett vegan. Zum Glück hilft mir der Wochenmarkt dabei.
Auch in Sachen Mobilität fühle ich mich umweltfreundlich. Mein Fahrrad ist mein Hauptfortbewegungsmittel sowohl auf dem Weg in die Arbeit, als auch in der Freizeit. Sollte ich es – wie gerade – in der Werkstatt haben, dann erlauben mir die Entfernungen zu Fuß zu gehen. Innerhalb Deutschlands bin ich ansonsten mit dem Zug mobil. Auto kommt nur zu den Auswärtsspielen beim Fussball zum Einsatz und da auch als Fahrgemeinschaft und mit abwechselnden Fahrern. Daraus ergibt sich Vorsatz 2: das Auto bleibt in der Fastenzeit stehen!
Schon meldet sich wieder mein Gewissen:
– Was ist mit Fliegen?
– Was soll mit denen sein?
– Nicht die Insekten, deine Flugreisen!
– Ach so…
– Steht bei dir nicht demnächst ein Flug an?
– Das hatte ich schon vor Monaten gebucht.
– Ändert nichts an der Tatsache.
– Dafür lasse ich die ganze Zeit über das Auto stehen.
– Ein Flug nach Südeuropa ist genauso schädlich wie ein Jahr lang Autofahren.
– Oh…
– Wusstest du, dass ein Flug von Frankfurt nach San Francisco fünf Quadratmeter Arktiseis verschwinden lässt? Pro Passagier!
– Ich frage mich gerade, warum du das weißt und ich nicht…
Wieder erwischt….Ich erinnere mich an Lenas Tipp und gehe zu atmosfair.de. Um meinen Flug zu kompensieren werde ich knapp 30 Euro überweisen.
Laut Atmosfair ist der Flugverkehr für etwa 10 % der vom Menschen verursachten Klimaerwärmung verantwortlich. Mein anstehender Flug an die Ostküste Spaniens verursacht 880 kg CO2. Das ist mehr als die Hälfte der Pro-Kopf Jahresemission eines Menschen in Indien. Die Fakten sind tatsächlich zu gewichtig. Also führt das zu Vorsatz 3: In der Fastenzeit und darüber hinaus werden Flüge – sofern nicht vermeidbar – mit einer Ausgleichszahlung kompensiert.
Das Wort zum Sonntag
Nachdem der bisherige Teil eher mit einem Augenzwinkern zu lesen ist, möchte ich eure Aufmerksamkeit auf ein ernsteres Thema lenken. Beim Lesen des Blogs und bei der Erstellung dieses Beitrags ist mir immer wieder eine Sache aufgefallen. Wir alle haben die Wahl. Wir dürfen entscheiden, ob und worauf wir verzichten wollen. Wenn wir unsere Wahlmöglichkeit mit dem Klimaschutz im Hintergrund abwägen, dann fällt die Entscheidung eigentlich immer eindeutig. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir wählen dürfen. Und dass es Menschen gibt, die nicht in dieser glücklichen Lage sich befinden. Beispiele hierfür gibt es auf der Welt zu genüge, egal ob in Afrika, im Nahen Osten, in Asien…oder auch in Kolumbien. Dort werden indigene Gruppen wegen dem Kohleabbau umgesiedelt. Ihre Heimat wollen Sie nicht verlassen, aber sie haben keine Wahl.
Was geht uns das eigentlich an? Hier in Deutschland ist der Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen, die erneuerbaren Energien expandieren (wenn auch nicht mehr so stark), die Steinkohleförderung wird eingestellt. Trotzdem gehen in Deutschland eine Reihe von Kohlekraftwerken ans Netz, die in den letzten Jahren gebaut wurden. Die Kohle dafür kommt aus dem Ausland. Und einer der größten Lieferanten ist Kolumbien.
Gutes Leben bedeutet dabei für die Bewohner von Tamaquito eindeutig etwas anderes als für Bergbaukonzerne, für dessen Kohletagebau das kolumbianische Dorf weichen soll. Jens Schanze hat die Umsiedlung des Dorfes in einem Zeitraum von fünf Jahren begleitet und wird im Anschluss der Filmvorführung in Neumarkt bei einer Publikumsdiskussion über seine Erfahrungen sprechen.
Die Dorfgemeinschaft Tamaquito hat seit der Umsiedlung unter anderem keine Wasserversorgung mehr. Deshalb wurde von den Zuschauern des Filmes eine Petition initiiert, um den Aufruf nach einer Wasserversorgung zu unterstützen. Genau um die Unterstützung dieser Petition möchte ich euch alle nun aufrufen.
Geht bitte unter: https://weact.campact.de/p/tamaquito und unterzeichnet die Petition. Es ist eine kleine Geste und dauert nicht einmal eine Minute..
Meine Tipps für euch:
1. Iss was?! Tiere, Fleisch & Ich
2. Glücklich ohne Geld! (von Raphael Fellmer)
3. Mia San Bio e.V.
Eine Gruppe Menschen hat sich zu einem Verein zusammengeschlossen und bestellt sich wöchentlich saisonales Obst und Gemüse. Durch größere Abnahmen sparen sie sich Geld und Verpackungen. Schöne Idee die zum Nachahmen einlädt.
Übergabe des Staffelstabes
