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Challenge 33: Palmöl – Da kriegste dein Fett weg!

Heut kriegen alle ihr Fett weg! Über die Klimaauswirkungen von Butter haben wir ja schon berichtet (Challenge 23), da liegt doch der Umstieg auf pflanzliches Fett nahe. Aber Obacht! Palmöl ist in etlichen Lebensmitteln enthalten und auch sonst in vielen Dingen des täglichen Gebrauchs. Was das mit dem Klima zu tun hat, erfährst du gleich.


Challenge 33: Achte einen Tag darauf, nichts mit Palmöl zu nutzen

Fakten, Fakten, Fakten:

Palmöl ist aus heutigen Produkten nicht mehr wegzudenken: Ob Schokocreme, Gemüsebrühe, Zahnpasta, Feuchttücher oder Shampoo – um nur ein paar zu nennen, die ihr wahrscheinlich alle zum Teil täglich nutzt. Der Verbrauch von Palmöl steigt stetig: Weltweit ist der Palmöl-Konsum in den letzten 17 Jahren über 170 % gewachsen, auf aktuell 74,6 Mio. Tonnen. Dabei steht die EU mit an der Spitze der Verbraucher. In Deutschland wird das meiste Palmöl für Biodiesel und in  Nahrungsmitteln verwendet (s. Grafik) – also durchaus Bereiche, die uns alle betreffen. Bei uns verläuft die Entwicklung jedoch gegenläufig: Im Jahr 2019 lag die Importmenge rund 70 % unter der von 2016.

Doch warum ist Palmöl der Star unter den pflanzlichen Ölen? Der rechte Teil der Grafik verrät es: Palmöl verspricht den höchsten Ertrag je eingesetzter Fläche, d.h. für die Herstellung eines Liters Palmöl muss weniger Fläche verwendet werden als beispielsweise bei einem Liter Sonnenblumenöl.  Daneben sind Preise billiger und die Pflanze ganzjährig verfügbar. Da klingen natürlich die Kassen!


Was hat das mit dem Klima zu tun?

Weil Palmöl so beliebt ist, wurde der Anbau in den letzten Jahren stark intensiviert – und dafür teilweise alte, zusammenhängende Regenwaldgebiete abgeholzt oder großflächig durch Brandrodung für den Anbau von Ölpalmen freigelegt. Nicht nur, dass Regenwald ein wichtiger Lebensraum für Mensch, Tier und eine reiche Pflanzenwelt ist – die ihrer Lebensgrundlage teilweise brutal und schonungslos beraubt werden; auch bindet dieses alte Ökosystem Unmengen an CO2, das durch die Rodung freigesetzt wird. Die neu angelegten Ölpalmen-Monokulturen bieten dagegen keinen ökologischen Mehrwert für Flora und Fauna, außerdem sind Arbeitsbedingungen und der Umgang mit den Bewohner*innen teilweise sehr fraglich (Stichwort: Gesundheitsgefährdung durch Pestizideinsatz oder illegale Enteignungen).

Brandaktuell

Derzeitig liegt dem Bundestag ein neuer Beschluss vor: Der Anteil erneuerbarer Energien im Mobilitätsbereich soll in Deutschland bis 2030 auf 28 % steigen. Damit dies nicht zu einem noch stärkeren Anstieg von Palmöl im Tank führt, hat die Bundesregierung beschlossen in den nächsten fünf Jahren schrittweise die Verwendung zu verbieten. Alternativ sollen neben strombasierten Lösungen auch „fortschrittliche Biokraftstoffe“ verwendet werden, also recycelte Stoffe wie z. B. Stroh, Gülle aber auch Altspeiseöl. Mehr dazu unter: https://www.bmu.de/pressemitteilung/schulze-wir-foerdern-kraftstoffe-die-das-klima-schuetzen-ohne-die-natur-zu-zerstoeren/ .

„Palmöl-Produktion – Ausbeutung und Weltzerstörung“, Planet Wissen (WDR, 02.09.2019): https://www1.wdr.de/mediathek/av/video-palmoel-produktion–ausbeutung-und-umweltzerstoerung-100.html

Was kann ich tun?

Durch unser tagtägliches Konsumverhalten tragen wir also einen Teil dazu bei, wie mit Menschen und Regenwäldern in einem anderen Teil unserer Erde umgegangen wird. Ein Umstieg auf andere Fette ist dabei gar nicht so ohne – erinnert ihr euch noch an den Vergleich, wie viel Liter Öl aus der gleichen Fläche einer Pflanze gewonnen werden kann (s. Grafik)? Das heißt auch, wenn wir alle auf Sonnenblumenöl umsteigen, nimmt der Flächenverbrauch zu und damit auch der CO2-Ausstoß. Eine bessere Alternative wäre es also, unseren generellen Verbrauch zu reduzieren, in dem wir bewusster und bewusst weniger von den Dingen konsumieren, die Palmöl enthalten. Durch weniger Schokolade, Chips, Fertiggerichte, Autofahren (mit Biokraftstoff) und eine fleischlose Ernährung könnten wir um die Hälfte unseres Palmöl-Verbrauchs vermeiden.

Wir geben euch hier ein paar Tipps, wie ihr euren Palmöl-Konsum runter bekommt:

Palmöl erkennen!

So leicht ist das nämlich gar nicht. Palmöl versteckt sich hinter verschieden kryptischen Begriffen: Sodium Coco Sulfate, Sodium Lauryl Sulfate, Cocamidopropyl Betaine, Cocamide MEA, etc. pp. Auf dem nachhaltigkeitsorientierten Portal Utopia findet ihr Hilfe, nämlich die 25 gängigsten Bezeichnungen für Palmöl im Bereich Lebensmittel und Kosmetik. Habt ihr ein konkretes Produkt bei der Hand, bietet euch die App „Codecheck“ Hilfe – hier könnt ihr euch Inhaltsstoffe ganz einfach „übersetzen“ lassen.

Selber machen!

Wenn ihr Dinge selbst macht wisst ihr auch, was drin ist. Und meist braucht es dazu auch nicht viel – das heißt neben Palmöl, spart ihr im besten Fall auch Geld! Wie ihr 11 tagtägliche Produkte ganz einfach selbst herstellt – und ganz ohne Palmöl – könnt ihr auf der Seite Smarticular sehen.

Auf Zertifizierung achten!

Wenn es doch mal nicht ohne geht, gibt es Hilfestellung durch den RSPO-Standard (Round Table for Sustainable Palmoil). Dabei handelt es sich aber wohlgemerkt um einen Mindeststandard, der teilweise auch kritisch gesehen wird (s. Utopia). Zusätzlich zu diesem Standard gibt der WWF eine sogenannte „Palmöl-Scorecard“ heraus, die Einblicke in die Einkaufspolitik von Unternehmen gibt.


Links:

Fößel Leonie (2018): Experiment: Tracking down palm oil; Artikel vom 23.03.2018; Link abrufbar unter https://globalchangeecology.com/2018/03/23/experiment-tracking-down-palm-oil/ (29.01.2021)

WWF Deutschland (2016): Auf der Ölspur – Berechnungen zu einer palmölfreieren Welt; Link abrufbar unter https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Studie_Auf_der_OElspur.pdf (29.01.2021)

BMU (2021): Schulze: Wir fördern Kraftstoffe, die das Klima schützen, ohne die Natur zu zerstören; Pressemitteilung 03.02.2021; Link abrufbar unter https://www.bmu.de/pressemitteilung/schulze-wir-foerdern-kraftstoffe-die-das-klima-schuetzen-ohne-die-natur-zu-zerstoeren/  (09.02.2021)


Autorin: Theresa Dorn

2 Gedanken zu „Challenge 33: Palmöl – Da kriegste dein Fett weg!“

  1. Danke für die guten Rezepte, hab schon einige ausprobiert!
    Ich koche und backe, mache auch Seifen, Creme’s usw. alles selber, ich finde es echt schlimm wieviel Regenwald wegen Palmöl vernichtet wird!

  2. Bei uns im Landkreis wird Altspeiseöl gesammelt und dafür kann man das in Automaten zurückgeben, z.B. auf dem Parkplatz vom Landratsamt! Das ist doch schon ein guter Ansatz. Die Behälter gibt es ebenfalls dort… voller Behälter rein und leerer Behälter kommt raus. Habe auch schon einige Male entsorgt.

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