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Erzbischof Dr. Ludwig Schick – 4 Fragen zur CO2-Fastenstaffel

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© Pressestelle Erzbistum Bamberg

Weg zur Wegwerfmentalität, Konsum wird zum Glauben – etwas provokative These, woran liegt das und was kann der einzelne dagegen tun?

Jeder Mensch will grundsätzlich mehr haben und höher hinaus als die anderen. Dieser Trieb und diese Versuchung stecken in jedem Menschen. Jeder Mensch hat aber auch Vernunft und die Fähigkeit, sich zu mäßigen. Es ist an der Zeit, dass alle Menschen sich darüber Gedanken machen, was sie denn wirklich brauchen und was den anderen Menschen Not tut sowie was die Schöpfung für alle hergibt. Die Konsequenzen aus dem „mehr verbrauchen als nötig“ kann sich jeder bewusst machen:

  • das soziale Gleichgewicht gerät aus den Fugen, die einen leben im Wohlstand und die anderen im Notstand,
  • die Natur wird überstrapaziert und die Schöpfung ausgebeutet,
  • den nachfolgenden Generationen werden die Lebensgrundlagen genommen.

Die Fastenzeit ist eine Zeit der Besinnung und der Umkehr. Sie will uns dazu führen: Weg von der Wegwerfmentalität hin zum Glauben, dass Gott für die Bedürfnisse aller Menschen genug geschaffen hat, weg von der egoistischen Gier hin zu einem Lebensstil, der alle Menschen gut leben lässt.

Priester kleiden sich sehr schlicht, meistens schwarz. Haben Sie in Ihrer pastoralen Tätigkeit Moden erlebt?

Nein! Die meisten Priester tragen immer einen grauen oder schwarzen Anzug und ein entsprechendes Priesterhemd dazu. Dies hat sich in den 43 Jahren, in denen ich Priester bin, nicht geändert. Ich lebe, was Kleidung angeht, bescheiden. An der Kleidung soll man den Priester erkennen, damit er ansprechbar ist.

Wie entscheiden Sie bei einem Einkauf, welche Kriterien sind Ihnen wichtig?

Ich kaufe grundsätzlich nur das, was ich wirklich brauche; das ist für mich das wichtigste Kriterium. Bei Lebensmitteln achte ich auf die regionalen Produkte und ob sie aus ökologischem Anbau stammen. Bei Kleidung und Gebrauchsgegenständen lege ich Wert auf faire Produktion und fairen Handel.

Wie bereiten Sie sich auf Ostern vor? Wie fastet ein Erzbischof Schick?

  1. Ich verzichte in der Fastenzeit auf jeglichen Alkohol und auf alle Süßigkeiten.
  2. Ich nehme mir mehr Zeit für Gebet und Betrachtung, denn das „Gebet ist das wichtigste Mittel um Frieden und Ruhe, Ordnung und Sicherheit in unser tägliches Leben zu bringen“, so habe ich heute getwittert in Anlehnung an Mahatma Gandhi. Es ist wichtig, dass man sich an jedem Tag einmal besinnt, damit der Alltag nicht über uns herrscht, sondern, dass wir den Alltag gut beherrschen.
  3. Ich schenke anderen mehr Zeit. Ich besuche in der Fastenzeit vermehrt Menschen im Krankenhaus, in Seniorenheimen oder zu Hause, schreibe persönliche Briefe, telefoniere, schreibe E-Mails und SMS, besonders an Menschen in der weiten Welt, denen es nicht so gut geht wie uns. Ein ordentliches Fastenopfer für Misereor gehört selbstverständlich auch dazu.

Das Gespräch führte L. Waldmüller, Klimaschutzmanager des Erzbistums Bamberg

 

 

 

3 Gedanken zu „Erzbischof Dr. Ludwig Schick – 4 Fragen zur CO2-Fastenstaffel“

  1. Sehr geehrter Herr Erzbischof Dr. Schick,
    ich habe mich sehr gefreut, als ich gehört habe, dass Sie sich bereit erklärt haben, an unserer Fastenstaffel teilzunehmen.
    Als meine Tochter vor 2 Jahren zur Erstkommunion gegangen ist, hatten wir uns mit Pfarrer Dr. Zerndl aus Bayreuth als Motto „Laudato si“ nach dem Sonnengesang des Franz von Assisi ausgesucht, zumal kurz zuvor die zweite Enzyklika von Papst Franziskus mit diesem Titel veröffentlicht worden war. Darin steht ganz am Anfang:
    ‚ “Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.” Diese Schwester schreit auf wegen des Schadens, den wir ihr aufgrund des unverantwortlichen Gebrauchs und des Missbrauchs der Güter zufügen, die Gott in sie hineingelegt hat. Wir sind in dem Gedanken aufgewachsen, dass wir ihre Eigentümer und Herrscher seien, berechtigt, sie auszuplündern. Die Gewalt des von der Sünde verletzten menschlichen Herzens wird auch in den Krankheitssymptomen deutlich, die wir im Boden, im Wasser, in der Luft und in den Lebewesen bemerken.‘
    In der Kommunionsgruppe haben wir uns intensiv mit dem Thema Verantwortung für die Schöpfung auseinandergesetzt, und für die Kinder schien es ganz natürlich, dass sie auf die Erde und die Umwelt, aber auch auf die Mitwelt, die Mitmenschen achten müssen, aber sie wussten nicht wie. Ich hoffe, dass viele Ihrem Aufruf folgen, „dass alle Menschen sich darüber Gedanken machen, was sie denn wirklich brauchen und was den anderen Menschen Not tut sowie was die Schöpfung für alle hergibt.“ Und natürlich, dass sie den Schritt wagen, diese Gedanken auch zu leben, „Weg von der Wegwerfmentalität hin zum Glauben.“ Wenn man diesen Zusammenhang erkennt, dass Gottes Schöpfung von uns Menschen gehütet werden soll, müsste doch eigentlich jeder religiöse Mensch automatisch zum Klimaschützer werden.

    1. Nebengedanke: Darf ich mit diesem Heiligenschein auf meinem Profilbild eigentlich einen erzbischöflichen Beitrag kommentieren???

  2. Lieber Leonhard,
    vielen Dank für das interessante Interview mit Erzbischof Dr. Ludwig Schick. Dein oberster Dienstherr steht Dir „Rede und Antwort“ und bereichert dadurch unsere Fastenaktion. Ganz besonders finde ich den Gedanken gut, in der Fastenzeit nicht nur zu verzichten, sondern anderen etwas zu schenken, nämlich Zeit und Zuwendung! Und der zweite wichtige Gedanke ist, dass man durch Verzicht sich eher darauf besinnen kann, was wirklich wichtig ist.

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