Abfallvermeidung, Ernährung, Norbert Heimbecks Klimarezept der Woche

Blaukraut bleibt Blaukraut

Als Kinder haben wir uns an dem Zungenbrecher „Blaukraut bleibt Blaukraut, Brautkleid bleibt Brautkleid“ (gaaanz schnell hintereinander sagen, dreimal wiederholen!) erfreut. Blaukraut, oder Rotkohl, wie es außerhalb Frankens heißt, ist – richtig zubereitet – ein wahrer Gaumenschmeichler.

Das folgende Gericht ist Slow Food vom Feinsten. Es macht zwar ein bisschen Arbeit, kann aber gut der Resteverwertung dienen. Mehr als 82 Kilogramm Lebensmittel wirft der Durchschnittsdeutsche im Jahr in den Müll – das meiste davon wäre noch essbar. Für viele ist das Mindesthaltbarkeitsdatum eine Art Warnhinweis: Es bedeutet aber nicht „tödlich ab …“, sondern besagt, dass das Lebensmittel bis zu diesem Zeitpunkt eine bestimmte Qualität garantiert. In der Redaktion des Nordbayerischen Kurier haben wir vor einigen Jahren ein Experiment gemacht: Wir forderten unsere Leser auf, ihre ältesten Konserven abzugeben, ich sollte daraus etwas kochen. Wir haben uns eine Lebensmittelexpertin vom KErn in Kulmbach dazugeholt und die Lebensmittel getestet. Tatsächlich waren auch seit fünf und mehr Jahren abgelaufene Produkte noch genießbar! Bei dieser Gelegenheit habe ich übrigens zum ersten Mal in meinem Leben Kartoffelpüree aus der Tüte verarbeitet …

Blaukraut kann richtig gut schmecken, wenn es nicht zu Matsch verkocht wird. Besonders köstlich ist es, wenn man gleich mehr zubereitet und am nächsten Tag die zweite Portion behutsam aufwärmt. Auch die Kartoffeln für dieses Gericht können schon am Vortag gekocht werden.

Da ich meistens drauflos koche und verwende, was in Küche und Keller vorhanden ist, habe ich diesmal keine genauen Mengenangaben. Auf einen mittelgroßen Rotkohl habe ich zwei Äpfel und eine Zwiebel genommen. Für vier Portionen müsste zirka ein Pfund Kartoffeln ausreichen.

Das brauchen wir: Blaukraut, säuerliche Äpfel, rote Zwiebeln, Butter, Salz, einen kräftigen Schuss Rotwein, Gemüsebrühe, Wacholderbeeren, Zucker, Essig, Preiselbeerkompott, Kartoffeln, Eier, Quark, Petersilie, Salz und Pfeffer, Muskat, Butter

So wird’s gemacht: Kartoffeln in der Schale gar kochen und abkühlen lassen. Die äußeren Blätter des Rotkohls entfernen, den Kohl putzen, vierteln und in möglichst feine Streifen schneiden. Äpfel schälen, vom Kernhaus befreien und grob raspeln. Zwiebel schälen und in Halbringe schneiden. In einem Topf Butter schmelzen und Kraut, Apfel und Zwiebel darin braten, salzen, zuckern und mit Rotwein und Gemüsebrühe ablöschen. Mit den Wacholderbeeren zugedeckt 15 Minuten garen. Dann Preiselbeerkompott unterheben und alles fertig garen.

Die Kartoffeln schälen, stampfen und mit zwei Eiern (wie viele Eier zur Bindung benötigt werden, hängt von der Kartoffelsorte ab, mehlig kochende sind zu empfehlen) und Quark vermengen, mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. Aus der Masse Klopse formen, flach drücken und in einer Pfanne goldbraun braten.

Zum Servieren Kraut und Kartoffelklopse auf dem Teller anrichten und eventuell noch einen Klecks Preiselbeerkompott dazugeben.

10 Gedanken zu „Blaukraut bleibt Blaukraut“

  1. Hallo Norbert, jetzt meldet sich mal wieder die Matsch – Blaukraut – Ingrid :), hab heute die Kartoffelklopse probiert, da die auch zum Gulasch gepasst haben, wieder sehr gut das Rezept, ungewöhnlich mit dem Quark aber lecker. Das bissfeste Blaukraut teste ich in den nächsten Tagen……

  2. Klingt mal wieder sehr gut, die Idee mit dem Preiselbeerkompott klingt super, habe ich noch nie so zubereitet. Zum Thema abgelaufene Lebensmittel: Ich habe gestern endlich das Seelenfutter-Rezept gekocht (ist gut angekommen, vor allem bei meinem Mann). Da ich aber nicht im Herbst Pilze sammeln war, habe ich getrocknete Pilze aus der Packung, die ich kurz nach unserer Rückkehr nach Deutschland 2014 gekauft hatte, genommen. Hab bisher nie so recht gewusst, was ich damit kochen soll (frag mich mal einer, warum ich sie dann gekauft habe…), und sie waren seit fast drei Monaten abgelaufen. Ich war diesen Pilzen etwas skeptisch gegenüber, aber es hat geschmeckt, vor allem meinem Mann, und bisher keine Magenbeschwerden 😉

      1. Du meinst ich hätte hiermit eine gute Ausrede? Dann tut der Magen natürlich schon ganz furchtbar weh…

      2. Anscheinend hat doch wer anders die Pilze gegessen? ICH war heute da…

    1. Hallo Gesa,
      zu den getrockneten Pilzen ein kleiner Tipp:
      Wenn du die Pilze ganz fein pulverisierst, kannst Du jeweils eine Prise davon als natürlichen Geschmacksverstärker in den verschiedensten Gerichten nutzen.
      Lieben Gruß, Norbert

      1. Mit was kriege ich die den so fein? Muskatreibe? (spätestens an dieser Stelle habe ich mich wohl hinsichtlich meines kompletten Koch-Unwissens geoutet…)

  3. Hallo Herr Heimbeck,
    vielen Dank wieder für das Rezept fürs kommende Wochenende! Ich habe das gleich vor gut einer Woche gemacht, allerdings mit Reiberdatschi, Erpfllbaggers oder Kartoffelpuffer, wie immer man sie lokal nennt. 🙂
    Auf dem Foto schaut es fast so aus, als ob Grünkern oder ähnliches im Blaukraut ist, eventuell auch Walnusskerne, das wäre auch mal einen Versuch wert … Was sagt der Experte?

    1. Hallo Frau Stangl,
      die Ärpfl-Beilage kann natürlich angepasst werden. Ich hatte ein paar gekochte Kartoffeln übrig und wollte sie verwenden.

      Zum Bild: stimmt, da ist Grünkern mit drin. War aber auch ein Blaukrautsalat, denn das aktuelle Rezept war so schnell aufgefuttert, dass ich kein Foto mehr machen konnte 😉

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