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„Aber Lagerfeuer machen wir trotzdem, oder?“

Noch drei Tage, dann ist die Fastenzeit schon wieder vorbei. Zeit, Bilanz zu ziehen. Wie ist es uns PfadfinderInnen ergangen? Wie haben die Kinder reagiert? Was konnten wir erreichen und wo sind wir an unsere Grenzen gestoßen?

Fangen wir mit den LeiterInnen an. Unser Ziel, die Leiterrunden vegan und die Leiterfeier vegetarisch zu veranstalten, hat sehr gut geklappt. Das vegane Kochen war zunächst eine Umstellung, aber dann sehr lecker. Bei der zweiten Leiterrunde gab es zur Karotten-Kartoffelsuppe zwar Käsebrot, das war aber Resteverwertung vom Hüttenlager und kam uns Klimafreundlicher vor, als den Käse zu entsorgen 😉 Einzige Herausforderung: Das Naschen während der Leiterrunde fiel flach, weil kein veganer Süßkram im Gruppenraum vorhanden war 🙁

In den einzelnen Gruppen wurde wie geplant das Thema Klima, CO2-Ausstoß und vor allem CO2-Fasten behandelt. Durch die Bank stieß das Thema bei allen Kindern auf Interesse. Viele, gerade die Älteren ab 15/16, haben Umweltschutz schon lange in ihren Alltag integriert. Einzelne Kinder haben sich auch selbst ein CO2-Fastenziel gesetzt!

Wie haben wir die Gruppenstunden zur CO2-Fastenstaffel konkret gestaltet? Bei den Jungpfadfindern wurde sich dem Thema zunächst über das Fasten selbst genähert. Aus Zeitgründen wird eine konkrete Aktion leider erst nach den Osterferien anstehen: wir wollen Papier schöpfen und daraus dann ein Kochbuch mit Klimafreundlichen Rezepten basteln. Die Pfadfindersippe „Drachen“ und die Rover haben jeweils das sogenannte „Pessimist-Optimist“-Spiel gespielt. Hier werden in zwei Gruppen Begriffe wie beispielsweise „ÖPNV“ und „Baden“ diskutiert. Im Anschluss wurde obiges Plakat gestaltet: „Was kann ich selbst tun?“ Die Pfadfindersippe „Fangschreckenkrebse“ beschäftigte sich einerseits mit der Frage, welche Länder wieviel CO2 ausstoßen und andererseits, wie viel Strom alltägliche Geräte verbrauchen. Hierfür wurden verschiedene Geräte mit Strommessgeräten, die man bei den Stadtwerken ausleihen kann, getestet. Die Jungs und Mädels waren ziemlich erstaunt darüber, dass man für 15 Minuten Föhnen den Laptop über viele Stunden laufen lassen kann.

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Dann fanden ja auch noch drei unserer Hüttenlager während der Fastenzeit statt. Unser Vorhaben: vegetarische, möglichst regionale Ernährung und klimafreundliche Anfahrt. Das mit der vegetarischen Ernährung hat super geklappt. Von Pizza, über selbstgemachte Mozzarellasticks bis hin zu Käsefondue im Wasserbad – der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. Und selbt die vegetarischen Gummibärchen fanden großen Anklang bei den Kindern. Neben dem CO2-Sparen hatte die vegetarische Ernährung dann noch einen zweiten positiven Aspekt: Kostengünstiges Einkaufen und gute Qualität sind gerade bei Fleisch in großen Mengen schwierig. Dieses Dilemma blieb uns diesmal erspart. Um die Regionalität der Lebensmittel wurde sich bemüht, es hatte aber ehrlich gesagt nicht die größte Priorität. Wenn man nach der Arbeit gegen 18:30 Uhr mit zwei oder drei Einkaufswägen durch den Supermarkt kurvt, verliert man dann doch irgendwann die Geduld. Shame on us 😉 Die größte Herausforderung beim Thema Essen hatten die Rover: Vegetarisch essen in einem urfränkischen Wirtshaus ist nicht die leichteste Sache. Aber „Eine Schwierigkeit hört auf, eine solche zu sein, wenn ihr darüber lächelt und sie in Angriff nehmt“ (Baden Powell).

Wo wir dann allerdings tatsächlich an unsere Grenzen gestoßen sind, ist die klimafreundliche Anfahrt. Die meisten Wanderheime/Waldhütten liegen fernab vom ÖPNV. Bei -8 Grad fällt eine Anreise per Fahrrad oder zu Fuß inklusive Gepäck flach (auch wenn wir bei -8 Grad wandern waren, aber das ist eine andere Geschichte). Ein gemieter Reisebus für rund 20 Personen kostet für eine jeweils etwa einstündige Hin- und Rückfahrt rund 500 Euro. Bei kalkulierten Lagerkosten von rund 400 Euro (inkl. Essen und Hütte) leider nicht zu stemmen. So mussten wir auf PKWs zurückgreifen – allerdings in sehr gut organisierten Fahrgemeinschaften!

Was bleibt nun von der CO2-Fastenstaffel 2018? Während des CO2-Fastens hat sich eine gewisse Sensibilisierung gezeigt. Als Beispiel hierfür dient folgende Nachricht, die mich von einem der Hüttenlager erreicht hat: „Was ist besser: Abspülen per Hand oder Spülmaschine?“. Für unser Stammeslager an Pfingsten ist die Agenda auf jeden Fall klar: Überwiegend vegetarisches Essen (außer die heißbegehrten Schinkennudeln – die müssen sein) und Anreise per Reisebus (der ist für 50 Leute dann doch eher zu machen).

Überrascht hat mich die große Zahl an Literatur, die wir im Gruppenraum zum Thema Klimaschutz in der Jugendarbeit haben. Da sind wirklich tolle Sachen dabei. Mein Lieblingsstück aus der Sammlung ist schon 25 Jahre alt, aber (leider) immer noch aktuell: The EarthWorks Group (1993): Kinder machen 50 starke Sachen, damit die Umwelt nicht umfällt. Aus diesem Buch stammt folgende Botschaft an die Kinder:

„Du mußt dir einfach klarmachen, daß ihr viele seid, und deshalb seid ihr stark. Es gibt Millionen von Kindern, und wenn ihr alle mitmacht, dann zählt das. Zusammen könnt ihr etwas bewirken.“

In diesem Sinne: Gut Pfad, Eure DPSG Bayreuth

Fotos: Dorothea Finzel, Lucas Treffenstädt, DPSG Bayreuth

2 Gedanken zu „„Aber Lagerfeuer machen wir trotzdem, oder?““

  1. Liebe DPSG Bayreuth,

    ich finde es klasse, dass ihr eure Fastenvorhaben so konsequent wie möglich umgesetzt habt und die Kids so engagiert dabei waren und vor allem eben auch viel Spaß daran hatten!
    Das Zitat erinnert mich an die Plant-for-the-Planet- Organisation (https://www.plant-for-the-planet.org/de/startseite), bei der ebenfalls Kinder und Jugendliche aus Eigeninitiative schon viel für unser Klima erreicht haben. Und es macht Mut. Jetzt müssen es die Erwachsenen dieser Welt „nur“ noch schaffen das Engagement der Kinder nicht zu torpedieren, sondern sie bei Ihren Vorhaben zu unterstützen.
    Das Buch werde ich mir mal ausleihen, vielen Dank für den Tipp! 🙂

  2. Liebe Pfadfinder, mich freut es sehr, dass ihr euch auf das CO2-Fasten eingelassen habt. Ihr habt gezeigt, dass Vieles machbar ist, ohne dass es ein großer Verzicht wäre. Und im Sinne des Schlusszitates Eures Blogs werden wir auch für die Punkte, bei denen ihr an Grenzen gestoßen seid (z.B. umweltfreundliche Anreise), Lösungen finden, wenn wir gemeinsam daran arbeiten.

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