Abfallvermeidung, Ernährung, Konsum

Wasser marsch!

Erlangens Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens macht ernst. Flaschenwasser ist gestrichen –  zugunsten der ressourcenschonenderen Alternative: Leitungswasser. Und das sowohl privat als auch für Gäste in ihren Besprechungen.

In einem Interview erzählt die Bürgermeisterin (Grüne Liste) von ihren Erfahrungen:

Vielen Dank dass Sie bei der CO2-Fasten-Staffel mit dabei sind. Sie haben sich dazu entschieden, während der Fastenzeit bewusst darauf zu achten, kein Wasser aus Flaschen zu trinken sondern ausschließlich auf Leitungswasser zurückzugreifen. Warum haben Sie sich genau für diese Thema entschieden?

Susanne Lender-Cassens: Um zu zeigen wie einfach es ist sich umzustellen. Weg vom Gedanken, dass nur Wasser in Flaschen rein sein kann, wenn doch das Leitungswasser in Erlangen so gut ist.

Ich selber trinke schon immer, seit ich in Erlangen bin, Leitungswasser und verzichte auf Wasser aus Flaschen. Ich verwende zuhause auch einen CO2-Sprudler.

 

Das Projekt Refill Deutschland ist jetzt in Erlangen gestartet. Mit Ihrer Aktion wollen Sie Ihre Unterstützung für diese Initiative bekunden.
Können Sie uns das Projekt kurz beschreiben?

Refill Deutschland ist eine Aktion von Menschen für Menschen.

Bürgerinnen und Bürger setzen sich dafür ein, überall an Leitungswasser zu kommen, das bei uns in Deutschland streng kontrolliert wird und immer eine gute Qualität hat. Natürlich müssen die Wasserleitungen in den Häusern in Ordnung sein.

Dafür muss man einfach seine Flasche dabei haben und dann kann man sich in allen Geschäften und Restaurants die mitmachen diese Flaschen auffüllen lassen.

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Refill Deutschland ist in Erlangen gestartet: http://www.refill-deutschland.de

Warum halten Sie es für unterstützenswert?

Generell finde ich solche Aktionen, die auf Tauschen, kostenlose Weitergabe von Dingen, gegenseitige Hilfen etc. angelegt sind, unterstützenswert.

Früher, mit kleinen Kindern ist es mir oft so gegangen, dass ich zwar einen Becher dabei hatte, aber es nicht so selbstverständlich war Trinkflaschen aufgefüllt zu bekommen. Vor allem nicht in einer fremden Stadt oder auch noch mit einer fremden Sprache im Urlaub.

Ich unterstütze die Aktion, weil sie einem kollektiven Bedürfnis folgt. Und aus politischen Gründen. Wasser ist das höchste Gut und sollte allen zugänglich sein. Wenn jemand Durst hat und bekäme noch nicht mal ein Glas Wasser, wäre das schlimm. 

 

Was hat denn Ihre Familie dazu gesagt?

In meiner Familie sind sie alle ganz große Wassertrinker. Die unterstützen das und  freuen sich, dass es eine Refill-Stadt mehr gibt. 

 

Fällt es Ihnen leicht oder schwer, Ihren Vorsatz umzusetzen. Gab es schon konkrete Situationen, in denen es schwierig war?

Leicht. Aber es gibt auch schwierige Momente. Ich denke noch nicht immer dran, mir Wasser mitzunehmen wenn ich in eine Besprechung gehe. Wenn ich dann Durst habe muss ich eine Wasserleitung finden. Und das Wasser schmeckt nicht aus allen Wasserhähnen gleich gut.

 

Bei Besprechungen servieren Sie Ihren Gästen auch Wasser aus Karaffen. Gab es dazu schon Reaktionen?

Eigentlich gab es da noch nie irgendwelche Reaktionen, wohl weil es sowieso oft Leitungswasser gibt. Vorher gab es nur das gesprudelte Wasser aus der Flasche. Im Rathaus gibt es ja den Luxus, dass es im Foyer einen Wasserspender gibt, an dem man gesprudeltes Leitungswasser bekommt. Aber wenn viel los ist oder es im Sommer heiß ist, dann stehen da schon mal recht viele Leute an.

 

Schmeckt das Wasser im Rathaus gut? Und bei Ihnen zuhause? Gibt es da einen Unterschied?

Bei mir zuhause schmeckt das Wasser superlecker.

Im Vergleich dazu ist es im Rathaus ein Riesenunterschied. Das Wasser aus den Hähnen mit viel Durchfluss schmeckt gut, die anderen oft nicht so … ich glaube es sind alte Leitungen.

 

Gibt es etwas, worauf man achten sollte?

Darauf, welche Flasche man mitnimmt. Viele Flaschen laufen aus, wenn man gesprudeltes Wasser dabei hat.
Wasser kurz laufen lassen, damit das abgestandene auch vorher wegfließen kann.

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Planung ist alles: die eigene Wasserflasche ist bei externen Terminen mit dabei.

Haben Sie Wasser mit dabei, wenn Sie unterwegs sind?

Wenn ich den ganzen Tag unterwegs bin, hab ich immer Wasser dabei. Das ist noch ein Überbleibsel aus der Zeit mit den Kindern.

 

Werden Sie weiter beim Leitungswassertrinken bleiben?

Einmal Leitungswasser – immer Leitungswasser!

 

Quelle Fotos: Stadt Erlangen

4 Gedanken zu „Wasser marsch!“

  1. Liebe Lena, Liebe Frau Lender-Cassens,
    super Idee, Leitungswasser ist bei uns in Deutschland i.d.R. von guter bis bester Qualität, so dass man unbedingt als Lebensmittel darauf zurückgreifen sollte. Ich persönlich konnte mich noch nicht dazu durchringen, komplett auf Leitungswasser umzusteigen, weil ich gerne leicht sprudeliges Wasser trinke und mir auch nicht jedes Wasser schmeckt. So finde ich kalkhalitges Leitungswasser weniger schmackhaft.
    Hat sich jemand schon mal damit beschäftigt, wie nachhaltig die Kohlensäuresprudler sind? So wie ich es aus meiner vorherigen Arbeitsstelle in Erinnerung habe, sind die Geräte inklusive Kohlensäurekartuschen allerdings ziemlich teuer …
    Super fände ich es, wenn man in Deutschland wie in vielen anderen Ländern ganz automatisch Tafelwasser in der Gastronomie bestellen kann, das nichts oder deutlich wengier kostet als Mineralwasser, und dass es überall öffentliche Trinkwasserbrunnen gibt. Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, wenn heuteTrinkwasser kostenlos z.B. in Wartebereichen von Ämtern, Praxen etc. angeboten wird, dann meistens im Einwegplastikbecher. 🙁

    1. Als och aus Amerika zurückgezogen bin, habe ich die Trinkbrunnen im öffentlichen Bereich und großen Läden sehr vermisst. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man, wenn man freundlich fragt, auch in Gastronomiebetrieben in Deutschland die Wasserflasche auffüllen kann oder ein Glas Leitungswasser bekommt (zur Not charmante Kinder mit großen Zahnlücken vorschicken, dann geht’s bestimmt…)

  2. Wir haben seit etwa einem Jahr die gleiche Devise: Wasser aus dem Hahn statt Flaschen. Unsere Kinder hatten damit auch kein Problem, sie sind nämlich in den USA groß geworden, und wenn man in den US in ein Restaurant geht, hat man normalerweise binnen 3 Minuten eine große Karaffe Gekühltes Leitungswasser vor der Nase.
    Im Landratsamt in Bayreuth wird jetzt auch schon seit einiger Zeit kein Mineralwasser mehr angeboten, sondern Leitungswasser (initiiert von meiner Kollegin Sabine, super Sache!). Und auch wenn einige Gäste erst ein wenig befremdet gucken, wird es doch gut angenommen.

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