Ernährung, Fair, regional

Fair (er)nährt

Orangen aus dem Fichtelgebirge, Schwarzer Tee aus der Fränkischen Schweiz oder Kaffee aus den Mainauen? Wie komme ich auf diese absurde Idee?

Der Hintergrund dazu: Seit der Landkreis Bayreuth die Anerkennung als Fairtrade-Landkreis anstrebt, bekommen wir immer wieder zu hören: „Die Leute sollen doch lieber regionale Produkte kaufen statt faire Produkte von anderen Kontinenten.“

Was ich mit der Aufzählung zeigen will: Lebensmittel, die typischerweise mit einem fairen Siegel zertifiziert wurden, wachsen nicht in unseren Breiten. Daher stellen diese Produkte keine Konkurrenz zu regionalen Lebensmitteln dar. Denn die wenigsten werden ihre Milch im Müsli nicht durch (Bohnen-)Kaffee ersetzen wollen…

Aber mich interessiert, wie gut man sich mit Lebensmittel aus unserer Region versorgen kann, die fair produziert wurden.

Damit komme ich zwangsläufig zu der Frage:

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, dass ein Lebensmittel fair ist und wo werden sie angeboten?

Wie anfangs bereits erwähnt, gibt es entsprechende Siegel, mit denen fair produzierte Lebensmittel zertifiziert werden, wobei es auch hier deutliche Unterschiede gibt. Die höchste Aussagekraft haben laut Stiftung Warentest folgende Siegel: Naturland Fair, Fairtrade und Rapunzel Naturkost.

Aber wie schaut es mit den Grundnahrungsmitteln wie Getreideerzeugnissen (Brot, Nudeln etc.), heimischem Obst und Gemüse, Milch(-produkten), Eiern und (für die Fleischesser) Fleisch aus? Also alles Produkte, die in unserer Region produziert werden (könnten).

Die erste Möglichkeit ist die Eigenproduktion, da weiß man schließlich genau, ob es fair zugeht. 🙂 Den Eigenanbau von Obst und Gemüse hatte ich bereits in den Vorjahren favorisiert und es hat auch ganz gut geklappt, 2019 fiel die Ernte allerdings aufgrund des Wetters leider nicht besonders gut aus. Das lag allerdings auch daran, dass ich nicht mit Leitungswasser gießen wollte und unsere Wasserspeicherkapazitäten (bisher noch) zu gering sind. Aktuell haben wir daher nur noch Kartoffeln und Kürbisse aus dem Vorjahr eingelagert und Tomatensoße im Glas. Positiver Nebeneffekt des Eigenanbaus: Der Geschmack! Die selbst eingemachte Tomatensoße – ein Traum sage ich euch!

Tomatenverarbeitung
Tomatenvielfalt aus dem eigenen Garten haltbar gemacht

Ansonsten ist aus meiner Sicht der Einkauf direkt beim Produzenten die beste Möglichkeit an faire Produkte zu kommen, denn so kann dieser den Preis selbst festlegen. Folgende Einkaufsmöglichkeiten in der Region kann ich (überwiegend aus eigener Erfahrung) empfehlen:

  • Märkte (Wochenmarkt und Viktualienmarkt in Bayreuth, Bauernmarkt in Creußen und Pegnitz, Thermenmarkt in Obernsees)
  • Direktvermarkter (Übersicht auf https://www.bayreuther-direktvermarkter.de/)
  • Gärtnereien mit Gemüseverkauf
  • Bäckereien (solche, die auch wirklich noch selber backen)
  • Verkaufsautomaten (Milchtankstelle in Supermärkten in Bayreuth und Creußen, Automat eines Direktvermarkters Pegnitz)
  • Hofläden direkt am Betrieb (u.a. bei Bayreuth-Aichig, Seybothenreuth)
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Hofladen bei Bayreuth-Aichig, im Hintergrund genießen die Kälber die Sonne

Wenn man auf dem Land lebt und Glück hat, gibt es in der Nachbarschaft vielleicht einen Landwirt oder Hobby-Tierhalter, der (gelegentlich) tierische Produkte abgibt. Das ist aus meiner Sicht die beste Quelle, da man sich vorher selbst ein Bild über die Tierhaltung machen kann.

Die neue Dachmarke Bayreuther Land hat sich zur Aufgabe gemacht, heimische Erzeugnisse und ihre Hersteller erkennbar zu machen, um Produzenten und Verarbeiter aus der Region zu stärken.

Auch die solidarische Landwirtschaft biete eine sehr gute Möglichkeit an regionales Gemüse zu kommen.

Weitere Einkaufsmöglichkeiten, bei der ich von einer fairen Preisgestaltung ausgehe:

  • Bioläden, Naturkostläden und sonstige (kleine) Läden mit regionalem Angebot
  • Regionaltheken in einigen Supermärkten und Metzgereien

Mit o.g. Einkaufsmöglichkeiten kann man sich schon recht gut eindecken, jedoch fehlen noch immer etliche auch grundlegende Produkte wie z.B. Mehl und Zucker. Hier stößt man (in unserer Region) an die Grenzen des Einkaufs fairer und regionaler Lebensmittel! Der Anbau der erforderlichen Pflanzen ist zwar durchaus gegeben (Getreide) oder wäre möglich (Zuckerrüben), jedoch ist mir leider keine Bezugsmöglichkeit von offenkundig fair produzierten Waren in der Region Bayreuth bekannt. Vielleicht kann mich ja jemand eines Besseren belehren?!

Leider stellen immer mehr Kleinbetriebe (wie z.B. Getreidemühlen) ihren Betrieb ein, da sie gegen die Konkurrenz im globalisierten Handel nicht mehr mithalten können. Damit geht bedauerlicherweise auch oft die Transparenz der Produktionswege verloren.

Da ich aufgrund meiner Laktoseintoleranz leider keine „normale“ Milch und nur wenige Milchprodukte genießen kann, gestaltet sich für mich auch der Einkauf hiervon leider etwas schwieriger. Bei Milchtankstellen o.ä. gibt es keine laktosefreie Milch. Im Drogeriemarkt bin ich auf eine laktosefreie H-Bio-Milch im Tetrapak gestoßen, die sogar Naturland Fair zertifiziert ist. Aus der Region stammt sie jedoch leider nicht, es sei denn ich sehe ganz Bayern als „unsere“ Region an. Dennoch ist es für mich die beste Alternative, auch wenn ich lieber die Milch vom Bauern ums Eck aus einer Mehrwegflasche trinken würde. Auch bei sonstigen laktosehaltigen Milchprodukten bleibt mir nur der Griff zu möglichst tier-, umwelt- und klimaverträglichen Produkten, auch wenn sie in diesem Fall nicht aus der Region stammen. Aber so ist das Leben, manchmal muss man eben Kompromisse eingehen.

Schade finde ich, dass nur sehr selten regionale Produkte, die als fair zertifiziert wurden – wie die o.g. Milch – in den Regalen zu finden sind.

Schließlich sollten es aus meiner Sicht selbstverständlich sein, dass auch regionale Erzeuger*innen faire Preise erhalten!

Titelfoto: Fotomontage; Quelle der Einzelfotos: Landkreis Bayreuth (Ochsenkopfseilbahn ) / Pixabay (Orangenbaum)

weitere Fotos: Sabine Rüskamp

7 Gedanken zu „Fair (er)nährt“

  1. Toller Beitrag. Regionale Produktion zu unterstützen, ist auch mir ein großes Anliegen. Nur so können wir auch verhindern, dass die kleinen Betriebe bankrott gehen. Mitdenken, achtsam sein, was uns von den Medien so untergejubelt wird und das Beste für Mensch und Tier tun, das ist ‚the name of the game‘.

  2. P.S Bei uns in Sinzing gibt es übrigens noch eine Getreidemühle, die Poschenrieders, die auf gute Qualität in der Erzeugung achten, entsprechende Verträge mit den Landwirten schließen, und deren Mehl auch in der Region verkauft wird

  3. Liebe Sabine,
    danke für Deinen Beitrag – faire Produkte aus der Region, daran habe ich noch gar nicht gedacht. Irgendwie bin ich bisher da, von ausgegangen, dass unser Arbeitsrecht etc. sicherstellt, dass die Nahrungsmittelproduktion im Großen und Ganzen fair erfolgt. Ausnahmen gibt es sicher genug, wie Missstände in Schlachtereien. Zudem werden die Erzeuger durch den Handel unfair behandelt und zu Dumpingpreisen gezwungen.
    Meine Frage ist nun, ob ich bei Biolebensmitteln, zumindest wenn sie deutschen Bioverbänden angehören, davon ausgehen kann, dass die Produktion den Gesichtspunkten des fairen Handels entspricht?

    1. Liebe Susanne,
      nach meiner Kenntnis haben alle deutschen Bioverbände in ihren Zertifizierungsrichtlinien auch Kriterien, die sicherstellen, dass die Produktion den Gesichtspunkten des fairen Handels entspricht. Ich denke, das Problem ist, dass für (regionale) Kleinbetriebe einer Bio-Zertifizierung häufig aber nicht möglich ist, da die notwendigen Umstrukturierungen die finanziellen Möglichkeiten übersteigen.

  4. Von Deiner selbst eingemachten Tomatensoße träume ich ja jetzt schon:),vielen Dank Sabine für den interessanten Beitrag, einfach super!

  5. Danke, Sabine, für die vielen Tipps, auch mit den Milchtankstellen, von denen ich vorher nichts wusste. Wenn deine Orangenbäume im Fichtelgebirge noch höher wachsen, müssen die Skifahrer in Zukunft die Beine etwas hochziehen wenn sie drüberschweben… Aber das muss man wohl im (bald hoffentlich) Fairtrade Landkreis in Kauf nehmen. 😉

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